WEG Tryon 2018 – Distanzritt abgebrochen

Nach einem chaotischen Fehlstart gestern, 12.09.2018 um 6:30 Uhr Ortstzeit, bei dem die Reiter zu unterschiedlichen Startpunkten geführt und gleich zu Beginn fehlgeleitet wurden, entschieden die Verantwortlichen vor Ort, den Ritt 45 Minuten nach Rückkehr aller Teilnehmer vom 1. Loop, neu zu starten.

Gegen 11:15 Uhr Ortszeit ging das Feld erneut auf die Strecke, diesmal auf 120 km. Im ersten Gate konnte sich Rebecca Arnold mit Serpa leider nicht für die nächste Runde qualifizieren: Serpas Puls erreichte die 64 Schläge innerhalb der vorgeschriebenen Zeit nicht.

Ursula Klingbeil mit Aid du Florival und Bernhard Dornsiepen mit Bekele El Djem passierten das Vet-Gate ohne Beanstandungen und konnten sich auf den beiden folgenden Loops trotz Starkregens, anspruchsvoller Strecke und stellenweise schwierigem Geläuf weiter qualifizieren.

Am späten Nachmittag, während die Spitzengruppe bereits auf den ingesamt vierten Loop aufgebrochen war, kam die Mitteilung, dass der Ritt endgültig abgebrochen würde. Als Grund wurden die feucht-heißen Wetterbedingungen genannt, Basis der Entscheidung war das FEI-Reglement und der „Code of Conduct for the Welfare of the Horse“.

Die Aufarbeitung der Gesamtumstände diese Rittes dürfte sowohl die FEI als auch den Veranstalter noch eine Zeitlang beschäftigen.

Für alle, die sich in langem, planvollen Training auf die WEG vorbereitet hatten und mit den teils widrigen Umständen vor Ort umzugehen verstanden, endete der Tag mit einer herben Enttäuschung.

Rebecca Arnold und Serpa

Dein 11jähriger Wallach Serpa stammt aus ungarischer Zucht.  Seit wann hast Du ihn und wie war Euer Vorbereitungsweg für die Teilnahme bei den WEG 2018 in Tryon ?

Rebecca Arnold dazu: Serpa kam 7-jährig zu mir. Zu dem Zeitpunkt war er bereits auf einigen Wanderritten unterwegs gewesen und somit geritten, aber weit weg davon, ein Distanzpferd zu sein. Als ich anfing, ihn zu trainieren und mit ihm die ersten 40-km-Ritte ging, merkte ich, dass ihm dieser Sport sehr gut gefällt. Es folgten Qualifikationsritte und 8-jährig sein erster CEI.

2017 bin ich mit ihm die EM in Brüssel geritten, und er hat das sehr ordentlich gemacht.  Ich fand, dass er bereit war, an der WM teilzunehmen. Also haben wir von da an das Training speziell auf den Sichtungsritt in Lignières und die WM ausgelegt.

Als dann die E-Mail kam, wir dürfen nach Tryon, war erst mal Freude angesagt. Aber es lag auch noch ein langer Weg vor uns, der sehr, sehr steinig war.

Am 3. August sollten wir die weite Strecke nach Warendorf antreten, um Serpa, wie alle WM-Pferde, von unserem Mannschaftstierarzt durchchecken zu lassen. Leider kam es an diesem Tag nicht dazu. Mein Vater und ich waren gerade 2 km unterwegs, als die abnehmbare Anhängerkupplung seines Autos sich löste. Der Hänger mit Pferd war frei und rollte den Berg rückwärts runter, kippte zur Seite und rutschte ins Gebüsch. Nur durch ein Wunder und dank Serpas Engelsgeduld konnten wir ihn mit Hilfe der Feuerwehr ca. 40 Min später aus dem Anhänger befreien. Abgesehen von ein paar Schrammen und etwas Rückenschmerzen hatte er nichts weiter abbekommen. So etwas zu erleben, wünsche ich wirklich keinem!

Serpa hat aber zum Glück alles gut verkraftet und weggesteckt und macht so weiter, als sei nie was gewesen. Deshalb ist er für mich jetzt schon ein Held. Ich freue mich sehr, mit ihm zusammen in Tryon an den Start zu gehen. Wir werden unser Bestes geben.

Rebecca Arnold mit Serpa

Bernhard Dornsiepen und Bekele El Djem

Du bist mit Bekele nach Tryon gereist. Wie hast Du die Entscheidung zwischen den Pferden Rio und Bekele getroffen?

Bernhard Dornsiepen dazu: Eigentlich war die Entscheidung klar, als das DOKR den Qualifikationsweg bekannt gegeben hat und feststand, dass die Pferde 2018 einen 160 km Ritt erfolgreich absolvieren mussten. Für Rio möchte ich zukünftig nur noch einen 160 km Ritt pro Jahr. Er ist jetzt 15 Jahre alt, und hat reichlich bewiesen, dass er die Strecke problemlos bewältigen kann. Wäre zur Qualifikation ein 120 km Ritt möglich gewesen, hätte ich ihn kandidieren lassen. Aber so war klar: Bekele läuft die Qualifikation. Das hat er erfolgreich getan und nun sind wir hier.

 Seit wann hast Du Bekele und was macht ihn besonders ?

Bernhard Dornsiepen dazu: Ich habe Bekele dreieinhalb-jährig von einer holländischen Kaderreiterin gekauft, die ihren Pferdebestand reduzieren wollte. Er gefiel vom Gebäude, war stabil gebaut und groß genug für mich. Ich habe nicht lange für die Entscheidung gebraucht. Bekele ist eher der empfindliche Typ. Es dauerte, bis er sich an Alltägliches wie z.B. Jacke ausziehen, Helm absetzen etc. gewöhnt hatte. Abwaschen und Abduschen ist bis heute nicht so seins. Da er sehr gute Pulswerte hat, können wir uns beim Kühlen meist auf leichtes Übergießen im Schritt einigen. Er ist eher trainingsfaul, im Wettkampf aber hoch motiviert und kann auf dem letzen Loop zum Ziel eines 160 km Rittes durchaus noch mal in einen schwer zu beherrschenden „Laufrausch“ verfallen. Also ein Pferd, dass Reserven aktivieren kann, wenn es drauf ankommt.

Bekele el Djem

Das Team hinter dem Team: Veronika Grell

Du bist dem Distanzsport auf vielen Ebenen verbunden:  Du hast unter anderem mit Sian Griffith zusammen gearbeitet, bei Valery Kanavy in den USA Pferde trainiert, stellst selber Pferde auf FEI Ritten vor, trosst international und bis darüberhinaus begeisterte Mehrtagesritt Teilnehmerin, aktuell mit Deinem selbstgezogenen Wallach Aramis. Auch auf den MTRs sieht man Dich trossenderweise.   Jetzt begleitest Du das Supportteam von Ursula Klingbeil zu den Weltreiterspielen nach Tryon/USA.  Was werden Deine Aufgaben sein und wie werdet Ihr die Tage vor dem Start nutzen um den Pferden optimale Rahmenbedingungen am Start und auf der Strecke zu ermöglichen?

Veronika Grell dazu: Die finalen  Details der Aufgabenverteilung werden anhand der Rahmenbedingungen vor Ort abgestimmt. Ich habe Urschi und Aid bereits 2016 in Samorin begleitet und daher eine gute Erfahrungsbasis mit den beiden.  Es müssen natürlich die Abläufe im Gate geplant werden.  Dazu gehören auch die vermeintlichen Kleinigkeiten wie: wer kocht wann Mash und reibt die Karotten in entsprechenden Portionen ?  Klare Zuständigkeiten sind festzulegen, um für Pferd und Reiterin eine optimale Regeneration mit minimalem Stresspegel und ohne Zeitverluste zu ermöglichen.  Ersatzmaterial muss bei Bedarf greifbar sein, falls die Situation es verlangt. Zu wissen wo genau die Reiter auf der Strecke sind, ist für schnelles Handel während des Rittes wichtig, um im Bedarfsfall z. B. benötigtes Material an den Trosspunkten bereit zu stellen.  Ich freue mich auf die anspruchsvolle Aufgabe, das Team bei diesem Championat unterstützen zu dürfen.

Veronika Grell mit Aid du Florival

Unser Team für Tryon: Vorstellung Ursula Klingbeil und Aid du Florival

Du gehst in Tryon mit Aid du Florival an den Start.  Eine 11jährige Schimmelstute, mit welcher man Dich seit 2014 in den Ergebnislisten der FEI findet.  Wie kam die Stute zu Dir und was ist das Besondere an ihr ?
Ursula Klingbeil dazu: Aid du Florival kam vor 6 Jahren roh, durch Vermittlung von Jean Louis Leclerc, direkt vom Gestüt „du Florival“  im Elsass, Wissler Gerald,  zu mir.  Das ursprüngliche Ziel war es, sie direkt nach der Ausbildung und der Präsentation im internationalen Sport zu verkaufen. Allerdings hat sich der Züchter letztes Jahr bei einem sehr hohen Kaufangebot dagegen entschieden und wollte seinen Traum wahr werden lassen, eines seiner Pferde auf den WEG s zu sehen.   Aid ist zu Hause ein sehr umgängliches Pferd, auf das ich bedenkenlos auch ein Kleinkind setzen kann. Auf einem Distanzrennen hingegen ist sie auf den Punkt wahnsinnig leistungsbereit und überrascht mich immer wieder mit kleinen Einlagen. So hat sie sich beim Aufsteigen in Brüssel auf der Europameisterschaft mit mir auf eine Parkbank gesetzt.  Lassen wir uns mal überraschen, was ihr in Amerika einfallen wird. Auf jeden Fall freuen wir uns schon sehr darauf.

Ursula Klingbeil mit Aid du Florival

Unser Team für Tryon: Die Anreise

Am Freitag, 31.08.2018 werden die deutschen Distanzpferde ihre Heimatställe gen Tryon / USA verlassen. In Lüttich geht es am Sonntag gegen 7:00 h hoch in die Lüft über den grossen Teich zum Zielort. Mit dabei sind auch die Pferde der Disziplin Reining: Eine Reisegesellschaft rund um die Verantwortlichkeiten von Nico Hörmann/DOKR. Gemeinsam mit Mannschaftstierarzt Sebastian Bartke wird Uschi Klingbeil die Pferde begleiten und mit ihrer Erfahrung und Kompetenz, sowohl als Distanzreiterin wie auch als Tierärztin, ein aufmerksames Auge auf die tierischen Spitzensportler werfen, um sie in der notwendigen 48 stündigen Quarantäne und bei Ankunft in den Stallzelten optimal zu versorgen.

Wie ist der Ablauf der Anreise bis zum Zielort ? Welche besonderen, vorbereitenden Maßnahmen werden vor dem Flug ergriffen? 

Dazu Ursula Klingbeil: Die Vorbereitungen unterscheiden sich nicht von denen eines langen Transportes per LKW oder Anhänger. Obwohl alle drei Pferde erstmalig auf eine Flugreise gehen, sind keine besonderen medizinischen Maßnahmen nötig. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die meisten Pferde einen Langstreckenflug genauso oder teilweise sogar besser als einen vergleichbaren LKW Transport absolvieren. Natürlich haben wir von allen Pferden vor Abflug einen Status per Blutbild genommen und werden die Parameter nach Ankunft in den USA überprüfen. Besonders Augenmerk liegt dann sicherlich auf den Muskelwerten. Wir haben eigene Testgeräte für schnelle Analysen im Reisegepäck und können so auf eventuell Mangelsituationen flexible reagieren. Am 04.09. gegen 16:30 h erwarten wir dann die Entlassung der Pferde in die regulären Stallungen auf dem Wettkampfgelände. Ab dem Zeitpunkt ist die Bewegen auch unter den Reitern auf den dafür freigegebenen Trainingsstrecken möglich.