Iller-Oxen-Tour 2026 – Mit Willy auf die lange Strecke

Bericht von Lorenz Kneip

Die Iller-Oxen-Tour vom 19. bis 21. Juni 2026 lockte Distanzreiter und Fahrer mit Strecken von der EFR über 26 km bis hin zum MTR über 124 km auf die Schwäbische Alb. Für mich war schnell klar: Wenn schon die weite Anreise, dann möchte ich auch möglichst viel von der Strecke und der Umgebung erleben. Daher fiel die Wahl auf den MTR über 120 km.

Gemeinsam mit meinem Traber Willy (Fakir Ges), der mich nun seit etwas mehr als zwei Jahren begleitet, machten wir uns auf den Weg nach Rot an der Rot. Nach langer Vorbereitung war dies nun unser vierter Ritt für dieses Jahr.

Unsere Anreise gehörte dabei zu den längeren des Wochenendes. Rund 350 Kilometer und etwa sechs Stunden Fahrt lagen vor uns. Da wir später als geplant loskamen, trafen wir erst am Abend auf dem Gelände von Veranstalter Gunnar Schillig ein und hatten die Vorbesprechung bereits verpasst. Umso schöner war der herzliche Empfang. Trotz unserer späten Ankunft wurden wir freundlich aufgenommen und erhielten alle wichtigen Informationen für den bevorstehenden Ritt. Schon in den ersten Minuten entstand das Gefühl: Hier ist man gut aufgehoben.

Das gesamte Wochenende stand unter dem Eindruck der hochsommerlichen Temperaturen. Bei täglich über 33 Grad entschied sich der Veranstalter, in Absprache mit allen Teilnehmern, die Startzeiten auf 5 Uhr morgens vorzuverlegen – eine Entscheidung, die sowohl den Pferden als auch den Reitern zugutekam.

Am Samstag standen die ersten 70 Kilometer auf dem Programm. Die Strecke führte als A-B-A-Kurs zunächst rund 35 Kilometer bis zum Wendepunkt und anschließend auf gleichem Weg zurück. Die Pause befand sich beide Male am selben Ort, was die Organisation für die Trosser deutlich vereinfachte. Tatsächlich wurden Trosser jedoch kaum benötigt, da entlang der Strecke ausreichend Wasserstellen vorhanden waren. Hier hatte Gunnar Schillig hervorragend vorgesorgt.

Besonders positiv fiel die Streckenführung auf. Mehr als 80 Prozent der Strecke verliefen durch Waldgebiete, sodass trotz der hohen Temperaturen immer wieder angenehme Schattenpassagen zur Verfügung standen. Die Wege bestanden überwiegend aus befestigtem Donauschotter mit seinen typischen rundlichen Steinen. Dadurch ist die Strecke auch bei schlechter Witterung gut zu bereiten und ebenso für Fahrer bestens geeignet.

Auch die Markierung ließ keine Wünsche offen. Mit Holzstecken war die Strecke jederzeit eindeutig gekennzeichnet. Zumindest ist mir kein Teilnehmer bekannt, der sich an diesem Wochenende verritten hätte.

Gegen 12 Uhr erreichten wir nach den ersten 70 Kilometern wieder das Ziel. Dank des frühen Starts blieb der gesamte Nachmittag zur Regeneration von Pferd und Reiter. Gerade bei den hohen Temperaturen war diese zusätzliche Erholungszeit sehr willkommen und half dabei, Kräfte für den zweiten Ritttag zu sammeln.

Am Sonntag warteten noch einmal 54 Kilometer auf die Teilnehmer. Auch hier erfolgte der Start bereits um 5 Uhr morgens. Diesmal bestand die Strecke aus zwei identischen Loops mit zentraler Pause direkt am Camp. Da einige Teilnehmer nur an einem der beiden Tage ritten, kamen am Sonntag noch einmal neue Gesichter hinzu. Besonders bemerkenswert war die Zahl der Fahrer: Gleich acht Gespanne gingen an den Start. Für einen Distanzritt ist das eine beachtliche Anzahl und zugleich ein Beleg dafür, wie gut sich die örtlichen Bodenverhältnisse für Kutsche, Sulky und Reitpferd gleichermaßen eignen.

Bereits kurz vor 10 Uhr erreichten wir das Ziel. Nach erfolgreicher Nachuntersuchung blieb bis zur Siegerehrung noch genügend Zeit für einen kleinen Ausflug zum nahegelegenen Badeweiher, der nur wenige Gehminuten entfernt lag. Diese Abkühlung hatte sich Willy nach seinem erfolgreichen Wochenende mehr als verdient.

Aufgrund unserer Trainingsbedingungen zuhause hatte ich bereits damit gerechnet, dass ihm die Strecke entgegenkommen würde. In unserem heimischen Gelände trainieren wir regelmäßig in deutlich bergigerem Terrain, sodass die vergleichsweise wenigen Höhenmeter auf der Schwäbischen Alb für ihn gut zu bewältigen waren.

Unterwegs waren wir mit einer T4-Wertung zügig auf der Strecke. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen zeigte Willy während des gesamten Wochenendes keinerlei Probleme mit seinen Pulswerten. Bei den tierärztlichen Kontrollen war er jeweils bereits beim ersten Messen unten. Noch wichtiger war jedoch mein Eindruck auf der Strecke: Zu keinem Zeitpunkt wirkte er müde oder erschöpft.

Besonders beeindruckt hat mich sein Verhalten auf den letzten Kilometern. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag erhöhte er auf den letzten zehn Kilometern das Tempo deutlich von sich aus. Während man als Reiter auf einer langen Distanz die Kräfte seines Pferdes stets aufmerksam beobachtet, vermittelte Willy hier vielmehr das Gefühl, dass noch ausreichend Reserven vorhanden waren. Für mich war das die schönste Bestätigung, dass sich die gemeinsame Arbeit der vergangenen zwei Jahre ausgezahlt hat.

Durch die vorgezogenen Startzeiten konnte auch die Siegerehrung früh stattfinden. So machten sich die meisten Teilnehmer bereits am frühen Nachmittag wieder auf den Heimweg – ein weiterer Pluspunkt für alle mit längerer Anreise.

Mein persönliches Fazit fällt durchweg positiv aus. Die Iller-Oxen-Tour ist eine hervorragend organisierte, familiäre und harmonische Veranstaltung. Die Versorgung der Teilnehmer ließ keine Wünsche offen, für Essen und Getränke war jederzeit gesorgt und auch der Schwenker lief nahezu ununterbrochen. Besonders hervorzuheben sind die durchdachte Streckenführung, die ausgezeichnete Markierung sowie die gute Eignung der Veranstaltung sowohl für Reiter als auch für Fahrer.

Wer eine entspannte Atmosphäre, schöne Strecken und eine rundum gelungene Organisation schätzt, findet hier beste Bedingungen. Für Einsteiger, Fahrer und erfahrene Distanzreiter gleichermaßen eine klare Empfehlung.

Willy und Lorenz (Foto: Victoria Kneip)