Distanzfahren

Distanzfahren ist, mit einem oder mehreren Pferden vor dem Wagen eine Strecke von 25-160 km/Tag zurückzulegen. Auch Mehrtages-Distanzfahrten sind möglich. Alle ca. 25 km gibt es Pausen, in denen sich Pferd und Fahrer erholen und neue Energie tanken können. In jeder Pause werden die Pferde tierärztlich untersucht. Erfolgreich absolviert ist die Fahrt dann, wenn auch die abschließende Untersuchung durch den Tierarzt nach Zielankunft mit einem fitten Pferd bestanden wurde. Dann gilt: Angekommen ist gewonnen!

Dieser Sport kombiniert Partnerschaft mit dem Pferd oder den Pferden, Ausdauersport, Abenteuer und Naturerlebnis zu einer faszinierenden Kombination. Es zählt vielleicht zu einem der letzten Abenteuer unserer Zeit. Ein besonderer Schwerpunkt des Distanzsports ist, unsere Pferde über Jahre langsam aufzubauen, konditionell wie mental. Fährt man dann irgendwann als Team nach einer langen Strecke über die Ziellinie, wird man zu schätzen wissen, was man erreicht hat.

Die zahlreichen Detailregelungen, die vielleicht aus dem klassischen Fahrsport bekannt sein mögen, sind dem Distanzsport wesensfremd. Erlaubt ist alles, was sicher und pferdeschonend ist. Anspannungsart, Stil usw. sind völlig frei wählbar, vom historischen Wagen bis zum sportlichen Sulky ist alles möglich. Alle Equiden können teilnehmen. Unser Motto ist: Alle Fahrer – alle Pferde!

Distanzfahren: Mit Freude unterwegs! Foto: Uhlmann

Vorschrift sind lediglich:

  • Ein verkehrssicherer Wagen
    • mit Bremse für 2-Achser
    • beim Einachser: Bremse oder Hintergeschirr
    • Reflektoren und Licht
  • Ein Pferd vor dem Wagen – (mindestens) eine Person auf dem Wagen
  • Zaum mit Gebiss
  • Helm für Fahrer und Beifahrer
  • Für Strecken ab 61 km eine Qualifikation. Man qualifiziert sich schrittweise für längere Strecken.

Details findet man in unserem Reglement.

Jedes gesunde Fahrpferd ist grundsätzlich zum Distanzfahren geeignet. Im VDD laufen Pferde und Ponys aller Rassen erfolgreich. Jeder Equide ist gerne gesehen und erfährt Wertschätzung, egal ob man sich für kurze oder lange Strecken entscheidet und unabhängig von der Geschwindigkeit. Traditionell starten auf unserer deutschen Meisterschaft der Fahrer neben den schnellen Trabern und Vollblütern auch immer einige Ponys.

Welsh-Pony Strathies Sir Nando sicherte sich 2019 den Konditionspreis der Fahrermeisterschaft. Foto: Uhlmann

Für Einsteiger

Jedes gesunde Fahrpferd, welches regelmäßig mehrmals die Woche gefahren wird, ist konditionell in der Lage eine Einführungsdistanzfahrt zu laufen. Als Basis sind eine gute Grunderziehung und Nervenstärke wichtig. Insbesondere sollte man sein Pferd an Begegnungen mit Reitern und anderen Gespannen gewöhnen, auch Überholvorgänge sollten kein Problem darstellen. Die Pferde sollten sich auch in fremder Umgebung sicher Ein- und Ausspannen lassen. Schließlich ist es nützlich, mit den Pferden das Vortraben an der Hand für die Tierarztkontrollen zu üben. Wer das erste Mal auf einer Distanzfahrt starten möchte, kann sich mit dem typischen Ablauf bekannt machen, wenn er als Besucher oder Helfer zu einer Distanzveranstaltung fährt oder ein Einsteigerseminar besucht.Nach der Ankunft am Veranstaltungsort baut man für die Pferde üblicherweise Paddocks auf einer Wiese auf. Anschließend geht es für den Fahrer zur Meldestelle, danach werden die Pferde dem Tierarzt in der Voruntersuchung vorgestellt. Ist alles in Ordnung, kann es losgehen! Fahrer starten immer im Einzelstart.

Die Veranstaltungen

Distanzfahrten verschiedener Längen und in ganz Deutschland findet man in unserer Veranstaltungsübersicht.

Die Strecke

Distanzfahrten finden auf Wald- und Feldwegen statt, die breit genug auch für Mehrspänner sind. Wir legen wert auf möglichst schöne, landschaftliche reizvolle und pferdefreundliche Strecken. Veranstaltungen in ganz Deutschland bieten viele wundervolle Strecken, Straßen werden gemieden. Eine Besonderheit ist, dass bei Distanzfahrten so mancher Weg möglich ist, der sonst vielleicht durch Schranken und Verbote eingeschränkt ist. Auf der Strecke wählt man ein zu den Pferden passendes, nicht zu schnelles Grundtempo i.d.R. im Trab, wie man es trainiert hat. Die Kräfte teilt man sinnvoll sein, wenn man bei Steigungen und bei tiefem Boden langsam macht.

Altanas Samara: Körber-Preis 2019, mehrere Jahre sowohl gefahren als auch geritten auf deutschen Meisterschaften erfolgreich. Foto: Uhlmann

Mit Pausen dem Ziel entgegen

Nachdem man einige Kilometer unterwegs war, wird man bei der ersten Fahrtunterbrechung ankommen. Hier prüfen Helfer zunächst den Puls der Pferde. Anschließend werden die Pferde dem Tierarzt vorgestellt (Gang, Metabolik). Die Pferde müssen hierzu nicht zwingend ausgespannt werden, der Tierarzt kann allerdings das Ausspannen fordern.  Anschließend folgt eine Pause, in der die Pferde fressen, trinken und sich erholen können. Die Details zu den Rittunterbrechungen sind in der Ausschreibung der jeweiligen Fahrt zu finden.Mit Überfahren der Ziellinie ist die Distanzfahrt noch nicht beendet: Im Ziel müssen die Pferde noch ein letztes Mal untersucht werden. Diese Nachuntersuchung findet bei Fahrten bis 80 km Länge nach 2 Stunden, bei langen Strecken am nächsten Tag oder nach 30 min in Kombination mit einer Transportfreigabe am nächsten Tag statt. Wer die Fahrt mit einem fitten Pferd absolviert hat, wird platziert.

Training

Das Training des Distanzfahrpferdes ähnelt jedem des gerittenen Distanzpferdes. Das Ziehen eines leichten Wagens ist für das Pferd etwas weniger anstrengend, als die Strecke geritten zu bewältigen. Der wichtigste Aspekt beim Training ist der langfristig orientierte Aufbau des Pferdes. Unser Ziel ist es, mit dem Pferd viele gemeinsame erfolgreiche Jahre auf der Strecke zu verbringen. Distanzpferde über 20 Jahre sind keine Seltenheit! Dies wird erreicht, wenn man sich nicht von Laufwillen und Herz-Kreislauf-Kondition (junger) Pferde täuschen lässt, sondern die Leistungsanforderungen langsam steigert. Neben der Robustheit des Bewegungsapparates und der Ausdauer ist es wichtig, die Freude am Laufen zu fördern und zu erhalten. Kombiniert man dies mit mit gymnastizitierender Basisarbeit, legt man den Grundstein für eine erfolgreiche Distanzkarriere.

Shetty Lucky: Mit 90 cm Stockmaß auf der langen Strecke unterwegs. Foto: Ditandy

Geschirr und Wagen

Optimal zu Pferd(en) und Fahrer passende Ausrüstung garantiert Pferdeschonung, Sicherheit und fördert die Leistung. Bei der Wahl des Wagens ist es optimal, wenn dieser leicht ist und einen geringen Rollwiderstand hat. Wichtig ist auch eine stabile Straßenlage, Geländegängigkeit und eine ausreichende Übersicht für den Fahrer. Aufgrund des geringeren Gewichts wählen Distanzfahrer üblicherweise Einachser für den Einspänner. Bei Einachsern ist es wichtig, dass diese korrekt ausbalanciert sind und damit eine ruhige Fahrt ermöglichen und das Pferd nicht stören. Für Einsteiger gilt: In der Regel ist ein erster Start mit einem vorhandenen Wagen problemlos möglich. Wer für lange Strecken optimieren möchte, findet auf dieser Seite in Kürze einige Vorstellungen von Wagen speziell für das Distanzfahren.Das Geschirr sollte optimal zu Pferd und Wagen passen, wichtig sind z.B. gleitende Trageösen am Selett des Einspänners bei feststehenden Anzen. Ein Hintergeschirr ist insbesondere im bergigen Gelände auch beim gebremsten Wagen und auch bei Mehrspännern sinnvoll. Hinsichtlich Optik und Material ist alles möglich. Kunststoffmaterialien werden im Distanzsport aufgrund der Pflegeleichtigkeit verbreitet genutzt.

Tina Gottwald


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