Deutsche Meisterschaft der Distanzfahrer 2026 in Tauscha

von Michelle Tremmel

Ein Wochenende zwischen sportlichem Ehrgeiz, Verantwortung und extremen Wetterbedingungen

Die Anreise vom Stall nach Tauscha verlief problemlos. Bei sonnigem Wetter machten wir uns auf den Weg und kamen trotz zahlreicher Baustellen auf der Autobahn ohne Stau an.
Auch in Tauscha hatten wir zunächst Glück mit dem Wetter. Wir konnten unser Paddock im Trockenen aufbauen. Eagle war entspannt und nutzte die Gelegenheit, das Paddock ordentlich abzumähen. Auch die Voruntersuchung konnten wir noch trocken absolvieren – mit sehr guten Werten und einem insgesamt sehr guten Gesamteindruck.

Nachdem alles aufgebaut und vorbereitet war, kam meine Freundin Nele mit ihrem Elmo an. Kurz darauf begann es zu regnen. Dass sich das Wetter allerdings von Stunde zu Stunde drastisch verschlechtern würde, hatte keine der Wetter-Apps vorhergesagt.

Als wir zur Vorbesprechung gingen, regnete es bereits deutlich stärker. Während der Besprechung nahm der Regen immer weiter zu. Als wir anschließend zurück ins Camp liefen, war für mich bereits klar, dass Eagle mit diesen Bedingungen überhaupt nicht glücklich war.

Eagle mag Regen grundsätzlich nicht. Zu Hause verlässt er nach den ersten Tropfen sofort die Koppel und stellt sich unter den Unterstand. An diesem Abend stand er trotz seiner 600-Gramm-Winterdecke zitternd auf dem Paddock. Er wusste offensichtlich nicht mehr, wohin mit sich, und wollte schließlich nicht einmal mehr fressen. Also rief ich gegen
22:00 Uhr die Veranstalterin Miriam an und fragte, ob ich Eagle oben auf dem Hof in einer Box unterbringen dürfte. Miriam klärte das kurzfristig ab. Schließlich führte ich Eagle im stockdunklen und weiterhin regnerischen Gelände nach oben.
Doch auch in der Außenbox war sehr nervös und versuchte anfangs sogar, über die Tür zu klettern – und das, obwohl neben ihm eine nette Stute stand.

Ich blieb deshalb bis etwa 3:30 Uhr bei ihm an der Box. Auch während der Nacht fraß er nur sehr wenig.
Gegen 4:30 Uhr nutzten wir eine kurze Regenpause und gingen wieder zurück zum Paddock. Endlich begann Eagle wieder ordentlich Heu und auch Kraftfutter zu fressen.
Wir machten uns langsam für den Start fertig und fuhren noch etwa 15 Minuten warm.

Um 6:30 Uhr ging es dann auf die erste blaue Runde über 25 Kilometer. Eagle ist auf der ersten Runde grundsätzlich kaum zu halten. Er möchte sofort los und am liebsten direkt Tempo machen. Trotz des Regens war die erste Runde zunächst noch gut zu bewältigen und auch die Strecke war in Ordnung.
Besonders gefreut hat mich, dass Miriam diesmal an allen Straßenüberquerungen Streckenposten organisieren konnte. Gerade im Fahrsport ist eine gute Absicherung an solchen Stellen enorm wichtig. Als Fahrer sitzt man schließlich etwa zwei bis drei Meter hinter dem Kopf des Pferdes und hat dadurch deutlich weniger Übersicht über den Straßenverkehr und die Umgebung als beispielsweise ein Reiter.

Mit Tempo 3 (20 km/h) kamen wir relativ zügig in der ersten Pause an. Der anschließende Vetcheck war in Ordnung. Lediglich die Muskulatur der Hinterhand war etwas fest. Das kenne ich bei Eagle bereits und sehe die Ursache durchaus auch bei mir selbst, da ich ihn häufig zurückhalten muss und nicht so laufen lassen kann, wie er es eigentlich gerne möchte. Während der Pause schüttete es weiterhin ununterbrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits sechs komplett durchnässte Regendecken verbraucht.

Beim Vortraben im Vetgate zeigte Eagle sehr deutlich, wie unzufrieden er mit der Situation war. Besonders störte ihn, dass er ohne Decke im starken Regen laufen musste.
Er schlug mit dem Kopf und trat aus. Dieses Verhalten kenne ich von ihm – er zeigt damit sehr deutlich, wenn ihn etwas stört oder er mit einer Situation unzufrieden ist.
Martin Grell hatte am Vetcheck aber nichts zu beanstanden. Lediglich fressen sollte Eagle noch etwas mehr.

Nele und ich beschlossen, die zweite Runde gemeinsam zu fahren. Ich fuhr zunächst im Schritt los und wartete auf sie. Als sie aufgeholt hatte, trabten wir ruhig an und machten uns auf die schwarze Runde. Leider hatte Eagle gute jetzt extrem schlechte Laune. Er schlug während der gesamten Runde ständig mit dem Kopf und zeigte deutlich sein Unbehagen im Starkregen. Auch die Nierendecke war bereits nach ungefähr 20 Minuten komplett durchnässt.

Nach etwa zwölf Kilometern kam es dann zu einer Situation, die für Nele wohl einer ihrer größten Schrecken jemals und für mich mein persönlicher Albtraum war. Vor uns lag eine große, sehr tiefe Pfütze. Die linke Seite des Weges war nicht mehr befahrbar. Auf der rechten Seite gab es lediglich einen trockenen Streifen von ungefähr 30 Zentimetern Breite. Elmo brach aus. – Er wollte unbedingt auf dem schmalen trockenen Stück laufen und drückte dabei den Sulky mit dem Rad gegen einen Baum. Dadurch stürzten Nele und der Sulky nach links in die Pfütze. Die Schere rutschte herunter und auch Elmo stürzte. Es war der absolute Horror!

Ich sprang sofort vom Sulky und stellte mich quer, um zu verhindern, dass Elmo in Panik an uns vorbeirennen konnte. Die Tatsache, dass ich ein Gespann führte mit einem Pferd, das grundsätzlich nur sehr ungern stehen bleibt, machte die Sache nicht einfacher. Ich konnte Nele zunächst nur gut zureden. Glücklicherweise gelang es ihr sehr schnell, Elmo zu beruhigen. Sie konnte den Sulky wieder aufrichten und sicherstellen, dass nichts Schlimmeres passiert war. Nele untersuchte Elmo, richtete das Geschirr und wir machten uns langsam und vorsichtig auf den Weg zurück ins Vet-Gate.

Beim anschließenden Vet-Check war Eagle fit und hätte aus tierärztlicher Sicht weiterlaufen dürfen. Doch zeigte er mir auch sehr deutlich, dass er mit den Bedingungen nicht zurechtkam. Starkregen und Wind hatten ihm stark zugesetzt.
Ich hatte mir einmal geschworen: Wenn mein Pferd mir deutlich zeigt, dass es etwas nicht möchte oder sich in einer Situation nicht wohlfühlt, dann muss ich das ernst nehmen.

In der Pause fraß Eagle nur, wenn ich ihm den halben Halsbereich seiner Decke über den Kopf zog. Ansonsten stand er sichtlich genervt und unzufrieden mit dem Wetter da.
Neles Sulky war bei dem Sturz schwer beschädigt worden. Eine improvisierte Reparatur wäre aus unserer Sicht nicht zu verantworten gewesen.

Also trafen Nele und ich gemeinsam die Entscheidung, aufzuhören. – Nicht, weil wir nicht weiterfahren wollten. Nicht, weil die Pferde nicht fit genug gewesen wären. Sondern weil wir Verantwortung übernehmen wollten.
Kein Pokal dieser Welt ist es wert, die Gesundheit oder Sicherheit seines Pferdes zu riskieren!

Im weiteren Verlauf wurde schließlich die letzte Runde der Fahrmeisterschaft gestrichen. Aus meiner Sicht war das eine sehr gute und verantwortungsvolle Entscheidung! – Zeitweise stand sogar ein kompletter Abbruch Fahrmeisterschaft im Raum. Auch, wenn das für viele Teilnehmer natürlich enttäuschend gewesen wäre, hätte ich auch diese Entscheidung nachvollziehen können. Bei solchen Bedingungen muss die Sicherheit von Mensch und Pferd an erster Stelle stehen!
Trotz des schwierigen Wochenendes möchte ich ausdrücklich sagen, dass ich die Saxonia liebe und dort immer wieder sehr gerne fahre. Die Strecken sind sehr gut markiert und in der Regel hervorragend befahrbar. Auch die Zusammenarbeit mit der Sachsenforst großartig. Umgestürzte Bäume und andere Hindernisse werden häufig bereits im Vorfeld beseitigt, sodass die Strecken bestmöglich vorbereitet sind.

Und natürlich darf auch der Hof von Micha Gansmüller nicht unerwähnt bleiben, wo es immer leckeres Essen gibt.

Für ein derart mieses Wetter kann niemand etwas. – Umso mehr verdient es Respekt, dass die vielen Helferinnen und Helfer trotz dieser widrigen Bedingungen so engagiert durchgehalten haben. – Ein riesiges Dankeschön an alle!

Ein besonderer Dank geht auch an Laura und Marvin, die uns trotz dieses Wetters so großartig unterstützt haben, uns immer wieder getröstet haben und jederzeit zur Stelle waren.

Was von diesem Wochenende bleibt: Eine Meisterschaft ist nicht nur eine Frage von Zeiten, Platzierungen und Pokalen.
Sie ist auch eine Frage von Verantwortung. Und manchmal ist die wichtigste Entscheidung im Sport nicht, weiterzumachen, sondern rechtzeitig zu sagen: Heute nicht! – Für Eagle und mich war genau das die richtige Entscheidung.

Ein besonderer Dank gilt Laura Hauer und meinem Freund Marvin für ihre großartige Unterstützung trotz des Wetters und natürlich meinen Eltern, ohne die dieser Sport nicht möglich wäre – meinem Papa als Fahrer und „Werkstattmeister“ und meiner Mama, die zuhause alles am Laufen hält. Ich danke euch von Herzen!