Schusteracht Distanz 2026

Schusteracht Distanz 2026 – mein erster 44-km-Ritt

Am 16.05.2026 fand die 2. Schusteracht-Distanz in Schleswig-Holstein statt: für mein Pferd Bosse und mich der erste KDR. Ausgeschrieben waren drei Distanzen: 26, 44 und 62 Kilometer. Für mich waren Strecken jenseits der 40 Kilometer Neuland und die Aufregung im Vorfeld war entsprechend groß. Einen Abend zuvor sind wir bereits aus Nordfriesland angereist und haben vor Ort übernachtet, was den Morgen des Ritttages deutlich entspannter gemacht hat. Begleitet wurde ich von meinem Mann, meiner 19 Monate alten Tochter und einer Freundin, die eigentlich selbst hätte starten wollen, deren Pferd aber leider verletzungsbedingt nicht teilnehmen konnte. Dass sie als meine Trosserin trotzdem mitgekommen ist, hat mich tierisch gefreut und war Gold wert!
Die Wettervorhersage hatte zunächst wenig Gutes versprochen: Dauerregen, Sturm, unangenehmstes Wetter. Glücklicherweise behielt sie nicht vollständig recht. Die Nacht war zwar frisch, aber weitgehend trocken, und auch der Ritttag selbst überraschte positiv: Einzelne Schauer und ein frischer Wind, ja, aber zwischen den Wolken lugte zwischendurch sogar die Sonne hervor. Norddeutsches Reitwetter eben.
Mein Teampartner: Bosse, 7 Jahre, Norwegisches Fjordpferd, Weißfalbe. Gemeinsam mit zwei weiteren Reiterinnen bildeten wir eine Gruppe, die sich den Tag über bestens ergänzt hat.
Die Strecke hatte es durchaus in sich. Unsere erste Runde startete mit einem anspruchsvollen, schmalen und stellenweise matschigen Waldpfad. Danach öffnete sich die Strecke und wir konnten die typischen Wege der Schusteracht nutzen, wo Reiter und Landwirte Hand in Hand arbeiten. Hier gibt es etliche Randstreifen entlang der Felder, die man normalerweise nur mit Vignette bereiten darf. Die Gebühr für diese tollen Wege waren im Startpreis bereits enthalten und jeden einzelnen Cent wert. Dazu Wald, Felder, Brücken in allen Variationen, ein paar wenige Höhenmeter und Wasserstellen auf der Strecke. An den Kontrollpunkten und bei der Radarfalle warteten durchweg gut gelaunte Helferinnen und Helfer, was bei einem solchen Ritt in meinen Augen einen echten Unterschied macht.
Dass der Tag so reibungslos verlief, ist kein Zufall. Die Veranstalter habe ich auch letztes Jahr bei der Aukrug-Distanz schon mit ihrer top Organisation kennengelernt. Alles ist geplant, alles stimmt und man fühlt sich einfach gut aufgehoben. Tierärztin Heike Schwalenberg fügte sich nahtlos in dieses Bild ein und sorgte für einen entspannten Ablauf bei den Vet-Checks: kompetent, freundlich, keine langen Wartezeiten und immer einen hilfreichen Tipp parat. Auch die Gastgeberin von Hof Lepschies, die übrigens selbst mit ihrem Shire Horse an den Start gegangen ist, und alle weiteren Helferinnen und Helfer hatten durchgehend gute Laune und standen stets hilfsbereit zur Verfügung. Und ein kleiner Imbiss für einen fairen Obolus fehlte natürlich auch nicht.
Bosse hat mich an diesem Tag schlichtweg umgehauen. Für sein Alter leistet er Unglaubliches, und auf der Strecke hat er sich von seiner allerbesten Seite gezeigt. Ich bin so unfassbar stolz auf ihn! Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass sich 44 Kilometer in den 283 Minuten viel schwerer anfühlen würden. Aber mit einem solchen Pferd und der besten Gesellschaft fliegt man förmlich. Der kurze Powernap, nachdem Bosse versorgt war, kam mir danach trotzdem sehr gelegen.
Bei der Siegerehrung wurde nicht nur den großzügigen Sponsoren gedankt, sondern auch den Helferinnen und Helfern, der Tierärztin und dem ausrichtenden Hof. Außerdem wurde der Verein Pferdehilfe Kairo e.V. vorgestellt, welcher im Zuge dieser Veranstaltung unterstützt wurde.
Unsere Leistung wurde mit einem geteilten 3. Platz und einer T6,4 belohnt. Besonders schön fand ich, dass ein Ehrenpreis an eine junge Reiterin ging, die ihren Ritt zugunsten ihres Pferdes vorzeitig beendet hatte. Genau so muss dieser Sport aussehen. Das Pferd steht immer an erster Stelle. Und dass die Hofbesitzerin selbst mit einem Shire Horse an den Start gegangen ist, zeigt einmal mehr: Distanzreiten ist nicht nur ein Sport für Araber – hier ist jede Rasse willkommen!
Jennifer Pesall, horizontreiterin